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Exkursion im Rahmen des HumusKlimaTag am 17. Februar 2025 auf dem Biobetrieb Hof Tolle
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Veröffentlicht am
24. Februar 2025

Etwa 70 Teilnehmende kamen am 17. Februar 2025 im Rahmen des HumusKlimaTag zur Exkursion auf den Biobetrieb Hof Tolle. Der Betrieb liegt in Nordhessen in Calden-Fürstenwald, in der Nähe von Kassel. Auf dem Hof werden insgesamt 60 Hektar Nutzfläche bewirtschaftet, davon entfallen 45 Hektar auf Ackerflächen. Die Vielseitigkeit in der Fruchtfolge – darunter Dinkel, Gerste, Hafer, Ackerbohnen, Soja und Kichererbsen – ist ein zentrales Element der hofeigenen Ackerbaustrategie. Zudem wird großer Wert auf eine schonende Bodenbearbeitung und den Anbau von Zwischenfrüchten gelegt, um die Bodenqualität zu erhalten und den Humusaufbau zu fördern.
Bei schönstem Winterwetter, mit Schnee, eisigen Temperaturen sowie hellblauem Himmel stellte das Team des Hof Tolle den Gästen den Betrieb vor.
In der wohl temperierten Werkstatt begrüßten Dr. Rolf Sommer, Projektleitung HumusKlimaNetz, BÖLW, und Betriebsleiter Nils Tolle die Anwesenden. Die Besucherinnen und Besucher wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe blieb in der Werkstatt, für die andere ging es auf den Acker, später wurde gewechselt.
Für die in der Werkstatt verbliebenen Gäste der Exkursion stellte Tolle gemeinsam mit Janos Wack, Triebwerk, die betriebsspezifische Klimastrategie vor und ging dabei darauf ein, wie der Hof die Strategie erarbeitet hat, anwendet und stetig weiterentwickelt.
Tolle erläuterte: „Die zentrale Frage, die wir beantworten müssen, lautet: Was macht der Klimawandel mit meinem Betrieb, und was kann ich für den Betrieb diesbezüglich tun?“ Mit der Formulierung einer klaren Zielvorstellung beginnt der Prozess der Strategieentwicklung.

Feldtag auf dem LWB Zahn

Betriebsleiter Nils Tolle begrüßt die Gäste der Exkursion

Sortenversuch mit elf verschiedenen Zwischenfruchtmischungen auf dem Betrieb von Georg Zahn (Bayern)

Janos Wack erläutert die Klimastrategie

Da eine Klimastrategie immer individuell auf den Betrieb zugeschnitten sein muss, steht am Anfang die Frage: „Wo wollen wir hin und mit welchen Maßnahmen können wir dieses Ziel erreichen? Welche Prognosen – etwa zunehmende Trockenheit oder Starkregenereignisse – müssen wir dabei berücksichtigen?“ Zu Beginn steht also die Betriebsbeschreibung und die Zielformulierung. Die Vulnerabilitätsanalyse, die ermittelt, wie stark ein System durch bestimmte Gefahren oder Veränderungen beeinträchtigt werden kann, ist Teil des Ablaufs der Erstellung der Klimastrategie. Mit Hilfe einer SWOT-Analyse werden dabei Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der geplanten Maßnahmen identifiziert. Klimaprojektionen werden in die Strategieerarbeitung miteinbezogen. Wie werden sich Temperatur und Niederschlag zukünftig entwickeln? Was wird hier prognostiziert?
Die Klimastrategie wurde mit einer Methode entwickelt, die die Planung als fortlaufenden Prozess begreift und dadurch dem Betrieb ermöglicht, sich kontinuierlich an den Klimawandel anzupassen. Ein zentrales Element der Strategie für den Hof Tolle war dabei die Diversifizierung der Betriebszweige. Mit Ackerbau, Gemüseanbau mit Direktvermarktung sowie einer Rinderhaltung mit Rotem Höhenvieh und Scottish Highland Cattle, die vor allem für Landschaftspflege und Umweltbildung eingesetzt werden, ist der Hof inzwischen breit aufgestellt.
Bei der Umsetzung der Klimastrategie werden immer kurz- und langfristige Maßnahmen kombiniert, so dass einige bereits laufen, während andere noch in der Planung bzw. Testphase sind oder auch als Perspektive zukünftig umgesetzt werden. Ein Monitoring, die kontinuierliche Überprüfung von Maßnahmen und die sich daraus manchmal ergebende Anpassung, macht die Klimastrategie dynamisch. Sie wächst und entwickelt sich mit dem Betrieb und befindet sich in einem ständigen Zyklus von Anpassung und Evaluation. In der Analyse wurde festgehalten, dass Maßnahmen wie Humusaufbau und Bodenmanagement sogenannte „no regret“-Maßnahmen, also immer eine gute Investition, unabhängig von zukünftigen Entwicklungen, sind.
Eine geplante Maßnahme, die Tolle im Rahmen der Klimastrategie durchführen wollte, war ein Agroforstsystem. Dieses wurde im November 2024 angelegt und als Maßnahme ins HumusKlimaNetz eingebracht. Anders als ursprünglich geplant nicht auf einer Weide, sondern auf den Ackerflächen des Betriebs, mit einem kleinen Anteil auf dem Grünland.
Die Gäste der Veranstaltung hatten nach oder bereits vor dem theoretischen Teil der Exkursion die Gelegenheit, sich das Agroforstsystem anzusehen. Zu Fuß ging es einige Minuten bergauf zu dem Schlag des Betriebes, auf dem das Agroforstsystem angelegt wurde. Auf der Ackerfläche angekommen erläuterten Tristan Mitzel, Triebwerk, und Marius Rau, Hof Tolle, die Eigenschaften des Schlags, der etwa 340 Meter hoch liegt, tonigen Boden und rund 30 Bodenpunkte aufweist. Er ist durch eine Steillage wassererosionsgefährdet.

Feldtag auf dem LWB Zahn

Tristan Mitzel an einem jungen Baum des Agroforstsystems, mit Wühlmausschutz.

Feldtag auf dem LWB Zahn

Die Gäste verfolgen die Erläuterungen zum Agroforstsystem

Anschließend erklärte Tristan Mitzel den Gästen das junge Agroforstsystem. Insgesamt gibt es Agroforstsysteme auf zwei Ackerflächen und einem Grünlandschlag. Teilnehmende konnten auf ausgeteilten Folien sehen, dass eine große Vielfalt an Bäumen in das System integriert wurde: Gelbhorn, Gemüsebaum, Kornelkirsche, Goumi-Ölweide, Walnuss, Schuppenrinden-Hickory, Speierling, Gleditschie, Schwarznuss und Biodiversitätsgehölze. Alle Sorten sind trockenheitstolerant. Das Agroforstsystem ist zu Beginn vier Meter breit und soll am Ende zehn Meter breit sein, mit 24 Metern Zwischenabstand. Es wurde in Ost-West-Ausrichtung angelegt, um den Wasserfluss zu optimieren und Schutz vor Sommertrockenheit zu schaffen. Das Ziel ist, die Früchte und Nüsse zu einem späteren Zeitpunkt in die Direktvermarktung des Hofes zu integrieren sowie die Wertholzverwertung zu nutzen.

Feldtag auf dem LWB Zahn

Zukünftig zu erwartende Nüsse aus dem Agroforstsystem: Hickory und Schwarznuss

Feldtag auf dem LWB Zahn

Die Technik des Tiefenlockerers wurde erklärt

Im HumusKlimaNetz setzt der Betrieb über das Agroforstsystem hinaus die Maßnahmen Untersaaten und optimierten Zwischenfruchtanbau um. Als Demofläche arbeitet das Team des Betriebes auf einer Fläche mit dem Tiefenlockerer, um Verdichtungszonen aufzubrechen und somit den Wurzelraum zu vergrößern. Den Tiefenlockerer konnten die Gäste der Exkursion vor Ort ansehen und ihre Fragen zur Technik stellen. Auch ein Bodenbeprobungsfahrzeug, das extra für die Exkursion von FarmFacts, einer der Firmen, die mit der Bodenbeprobung im Rahmen des HumusKlimaNetz beauftragt ist, auf den Betrieb gebracht wurde, konnte bestaunt werden.

Feldtag auf dem LWB Zahn

Fragen zur Technik der Tiefenlockerung wurden beantwortet

Feldtag auf dem LWB Zahn

Ein Bodenprobenfahrzeug konnte während der Exkursion begutachtet werden

Bei Kaffee und Kuchen und Verabschiedung klang die Veranstaltung in der warmen Werkstatt des Betriebes aus. Der Austausch zwischen den Gästen ging auch hier weiter. Eine Besucherin von einem landwirtschaftlichen Betrieb zeigte sich sehr beeindruckt vom Agroforstsystem. „Ich kann mir vorstellen, so ein System bei uns auch umzusetzen. Der Einblick heute hier hat mich inspiriert.“