Die Maßnahmen im HumusKlimaNetz

Kurzumtriebsplantage_neu angelegt ©HumusKlimaNetz

Für den Aufbau und Erhalt von Humus in Ackerböden gibt es eine Reihe an möglichen ackerbaulichen Maßnahmen. Im HumusKlimaNetz Maßnahmenkatalog sind solche zusammengefasst, für die eine Humus- und Klimawirkung wissenschaftlich belegt ist. Sie werden nun durch die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte in der Praxis angewendet und erprobt.

Die vorgestellten Maßnahmen finden in der landwirtschaftlichen Praxis bereits in unterschiedlichen Ausprägungen Anwendung. Dabei lag bislang der Fokus von Humusaufbau überwiegend auf den positiven Eigenschaften der Bodenfunktionen wie Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt oder Erosionsminderung. Im HumusKlimaNetz rückt Humusaufbau als Kohlenstoffspeicher und damit sein positiver Beitrag zum Klimaschutz in den Fokus. Auch wenn es bei einigen Pionier:innen, insbesondere im Ökolandbau, aber auch in konventioneller Wirtschaftsweise, bereits viel Erfahrung mit Humusaufbau gibt, fehlt es an systematischem Wissen zu Effektivität und Kosten von Humusaufbau in den unterschiedlichen Boden-Klima-Räumen.
Darüber hinaus sollen im HumusKlimaNetz neue oder bisher weniger bekannte und untersuchte Maßnahmen in Demoflächen gezeigt werden. Hierfür werden die Maßnahmen auf Teilflächen angelegt und mit einer Referenzfläche verglichen, auf der die Maßnahme nicht umgesetzt wird.
Nachfolgend werden die einzelnen Maßnahmen im Überblick vorgestellt. Ausführliche Informationen sind in den Maßnahmen-Steckbriefen zu finden.

Fruchtfolge
Über die Fruchtfolge kann der Humusgehalt im Boden auf- oder abgebaut werden. Der Anbau humusmehrender Kulturen (wie z.B. Körnermais oder mehrjährige Kulturen) wird dafür ausgeweitet und der Anteil humuszehrender Kulturen (wie z.B. Silomais, Kartoffeln oder Zuckerrüben) wird verringert. Bei den humusmehrenden Kulturen liegt eine besondere Bedeutung im Anbau mehrjähriger Kulturen. Diese wirken durch die Erhöhung von Biomasseeinträge in den Boden, insbesondere über Wurzeln, sowie durch die Bodenruhe sehr positiv auf den Humusgehalt.

Zwischenfrüchte und Untersaaten
Beim Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten wird ober- und unterirdisch Biomasse gebildet, die für den Humusaufbau förderlich ist. Untersaaten werden in einen bestehenden Bestand gesät und nach Ernte der Hauptfrucht zur Überbrückung der Brachezeit stehengelassen. Zwischenfrüchte können zwischen zwei Hauptkulturen in die Fruchtfolge integriert werden. Zudem können durch Optimierung des Anbaus von Zwischenfrüchten höhere Biomasseerträge generiert werden, bspw. durch eine angepasste Artenauswahl, Saattermine und Aussaattechnik.

Mehrjährige humusmehrende Kulturen
Mehrjährige Kulturen bilden ein größeres Wurzelsystem aus als einjährige Kulturen. Die große Wurzelbiomasse bietet ein gutes Potenzial Humus aufzubauen.
Als Kulturen kommen sowohl mehrjährige Futterpflanzen in Frage wie z.B. Kleegras sowie Pflanzen zur energetischen Verwertung wie z.B. Miscanthus, Durchwachsene Silphie oder Wildpflanzenmischungen. Dabei sind sie vor allem als Ersatz für den Silomaisanbau interessant und wirken sich auch positiv auf andere Umweltziele (z.B. Erosionsminderung) aus.
Neben der Humuswirkung soll auch erprobt werden, wie sich mehrjährige Kulturen auf unterschiedlichen Standorten wirtschaftlich in die Betriebe integrieren lassen.

Blühstreifen
Blühstreifen fördern nicht nur die Biodiversität, sondern können auch den Humusgehalt steigern, da die Flächen nicht beerntet werden. Die Humuswirkung hängt stark von der ober- und unterirdischen Biomassebildung des Aufwuchses ab.
Eine hohe Biodiversität geht nicht unbedingt mit einer hohen Biomassebildung einher. Daher sind Kompromisse oder eine Priorisierung der gewünschten Effekte gegebenenfalls notwendig.

Agroforstsysteme
In Agroforstsystemen werden Bäume oder Sträucher mit landwirtschaftlicher Nutzung kombiniert. Durch den Anbau von Gehölzen wird in größeren Mengen Kohlenstoff in der unter- und oberirdischen Biomasse der Bäume und Sträucher gespeichert. Agroforstsysteme produzieren nicht nur verschiedene Erzeugnisse auf einer Fläche, sie können darüber hinaus positive Wechselwirkungen wie z.B. eine verringerte Erosion oder Verdunstung bewirken. Dadurch werden besonders bei Witterungsextremen positive Wirkungen für den Ackerbau erwartet.
Agroforstsysteme können hinsichtlich der Nutzung und des Gehölzflächenanteils sehr unterschiedlich gestaltet werden. Mögliche Nutzungskonzepte sind die Energieerzeugung (v. a. Hackschnitzel), die Wertholzerzeugung oder die Obst- und Nussproduktion. Diese Vielfalt führt nicht nur zu unterschiedlichen Klima- und Umweltwirkungen, sondern auch zu sehr variablen Kosten- und Erlösstrukturen. Insgesamt sind Agroforstsysteme aus Klimaschutzsicht insbesondere wegen der zu erwartenden Langfristigkeit der Systeme positiv zu bewerten.

Kurzumtriebsplantagen
Kurzumtriebsplantagen sind ganzflächig mit schnellwachsenden Gehölzen bepflanzt. In der Regel handelt es sich dabei um Pappeln oder Weiden, die zur energetischen Nutzung in kurzen Zyklen geerntet werden.
Kurzumtriebsplantagen haben eine Nutzungsdauer von etwa 20-30 Jahren, nach diesem Zeitraum sinken die Erträge meist. Das hat überwiegend zur Folge, dass die Plantagen anschließend zurückgewandelt werden. Der positive Klimaeffekt kann dann nur durch eine Neuanlage erhalten werden. Im Projekt steht eine Auswahl der Flächen im Fokus, die sich für eine möglichst lange Nutzung eignen. Das können z.B. kleine und schlecht zu bewirtschaftende Ackerschläge oder auch Randflächen (insbesondere mit Keilen) von Agroforstsystemen sein.

Hecken
Die Neuanlage von Hecken ist eine wirksame Klimaschutzmaßnahme, die darüber hinaus andere positive Umweltwirkungen wie verminderte Erosion und eine Erhöhung der Biodiversität mit sich bringen kann. Die hohe Klimawirksamkeit ergibt sich aus ihrer Dauerhaftigkeit. Allerdings ist die Zeitspanne der zusätzlichen Kohlenstoffspeicherung nach 20 Jahren nahezu abgeschlossen, weil danach keine zusätzliche Biomasse mehr gebildet wird.
Hecken werden zu Landschaftselementen, d.h. sie verlieren ihren Status als landwirtschaftliche Nutzfläche und dürfen nicht wieder entfernt werden. Zwar wird auf vergleichsweise wenig Raum viel Kohlenstoff gespeichert. Dieser wird allerdings vor allem in den Gehölzen selbst und unter der Hecke, jedoch nicht als Humus auf der ackerbaulich genutzten Fläche, gespeichert. Für die Neuanlage kommen ertragsschwache, winderosionsgefährdete Standorte oder Flächen, die hohe Synergien im Biodiversitätsschutz erwarten lassen, besonders in Frage.