Untersaaten – Unterstützungshilfe zum richtigen Umgang mit Untersaaten
Definition Untersaaten: Eine Untersaat ist eine zweite Frucht, die neben der Hauptfrucht, der Deckfrucht, etabliert wird und zumindest zeitweise gleichzeitig steht.
In den meisten Kulturen steht die Untersaat kleinwüchsig im Bestand und wächst erst nach Ernte der Hauptkultur durch Lichteinfluss und Platzerschaffung in stärkerem Maße, begrünt und durchwurzelt die Ackerfläche. Für eine erfolgreiche Etablierung sind bei dem Anbauverfahren einige Schritte zu berücksichtigen. In erster Linie ist es wichtig, dass die Untersaat und die Hauptkultur aufeinander abgestimmt werden. Ebenfalls ist es wichtig, dass nach der Aussaat ausreichend Niederschlag zur erfolgreichen Etablierung vorhanden ist. Als Unterstützungshilfe zum richtigen Management einer Untersaat dient der folgende Wegweiser
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Ziele
Was möchte ich mit meiner Untersaat erreichen? Vor der Etablierung einer Untersaat steht die Bestimmung der Ziele bzw. Nutzung einer Untersaat im Vordergrund. Die Nutzung einer Untersaat steht in Verbindung mit der Wahl von Komponenten oder Mischungen. Eine Untersaat kann beispielsweise zur Futternutzung dienen sowie gleichzeitig in Form einer Zwischenfrucht positive Effekte auf sämtliche Bodeneigenschaften und Nährstoffkreisläufe erzielen. Bei der Nutzung als Zwischenfrucht sichert die Untersaat gerade in trockenen Sommern eine rechtzeitige Etablierung von Begrünungen bereits vor der Ernte der Hauptfrucht. Bei Zwischenfrüchten kann bei einer Sommertrockenheit die Gefahr bestehen, dass diese nicht auflaufen. Ebenfalls gewähren Untersaaten eine längere Bodenruhe, sowie Bodenschutz.
Bodenverbesserung
Untersaaten stärken wichtige Bodeneigenschaften und erhöhen die Bodenfruchtbarkeit. Sie fördern eine Krümelstruktur, Bodengare und verbessern die Tragfähigkeit sowie Befahrbarkeit. Eine Untersaat bleibt in der Regel nach der Ernte der Hauptkultur auf der Fläche stehen. Die lange Standzeit der Untersaat verbessert durch die anhaltende Bodenruhe die Bodenstruktur, Durchwurzelung und biologische Aktivität im Boden.
Erosionsschutz
Ein durchgehender, flächendeckender Bewuchs („immergrün“) reduziert den Abtrag des Bodens in Form von Wind oder Wasser insbesondere bei Reihenkulturen wie Mais. Eine intensive Wurzelausbildung fördert die Aggregatstabilität im Boden. Die oberirdische Pflanzenmasse schützt die Bodenoberfläche, sowohl während der Anbauphase einer Hauptkultur als auch danach.
Verdunstungsschutz
Die durch eine Untersaat nach der Ernte der Hauptfrucht geschlossene Pflanzendecke, schützt den Boden vor Verdunstung, Austrocknung und Hitze. Eine Untersaat hat einen kühlenden Effekt auf den Boden und kann eine längere Wasserverfügbarkeit absichern. Die Feuchtigkeit im Boden wird besser gespeichert.
Unkrautregulierung
Eine rechtzeitige Bodenbedeckung hat gerade im Ökolandbau eine wichtige Bedeutung für die effektive Unkraut- und Ungrasbekämpfung. Die Untersaatkomponenten bewirken eine Konkurrenz für Unkrautsamen um Licht, Wasser und Platz im Bestand. Eine zügige Etablierung der Untersaat sichert einen Beschattungseffekt.
Im konventionellen Anbau kann bei erfolgreicher Unkrautunterdrückung auf einen Herbizideinsatz in der Hauptkultur verzichtet beziehungsweise dieser zumindest reduziert werden.
Auf Standorten mit sehr starkem Unkrautdruck werden keine Untersaaten empfohlen, da die Unkrautbekämpfung durch die Untersaaten eingeschränkt wird.
Biomasseerzeugung
Untersaaten können zur Biomasseerzeugung für die Futternutzung oder die energetische Nutzung in Biogasanlagen genutzt werden. Nach der Ernte der Hauptkultur hat sich die Untersaat bereits gut etabliert. Der Bestand kann zur Schnittnutzung oder Beweidung genutzt werden. Hier sind allerdings die verbleibenden Stoppelrückstände der Hauptfrucht in der bestehenden Untersaat zu beachten.
Nährstoffspeicherung und -dynamik
Eine Untersaat sichert eine Nährstoffkonservierung und verhindert die Auswaschung beziehungsweise Verlagerung mobiler Nährstoffe in tiefere Bodenschichten und letztlich ins Grundwasser, gerade nach der Ernte der Hauptkultur. Einige Untersaatarten können die Mobilisierung und Verfügbarkeit von Nährstoffen zugunsten der Hauptkultur optimieren. Sind Leguminosen enthalten, wird zusätzlicher Luftstickstoff im Boden fixiert, der von der Folgekultur genutzt werden kann.
Förderung Bodenleben
Untersaaten fördern die biologische Aktivität im Boden und verbessern wichtige Bodeneigenschaften. Wurzelausscheidungen und organische Rückstände stellen eine wichtige Nahrungsgrundlage für das Bodenleben dar. Während die Hauptkultur im Sommer abreift und keine Wurzelexsudate an das Bodenleben liefert, übernimmt die bestehende Untersaat die Versorgung des Bodenlebens. Verschiedene Tiere des Bodens (zum Beispiel Regenwürmer, Milben) sowie Pilze schaffen wichtige Poren im Boden. Diese wiederum verbessern den Luft-/Wasserhaushalt im Boden durch das Speichern von pflanzenverfügbarem Wasser, was bei zunehmender Trockenheit eine wichtige Bedeutung hat.
Humusanreicherung und Klimaschutz
Die zusätzliche Zufuhr organischer Substanz in Form von Wurzeln, Blättern und Stängeln über den Anbau von Untersaaten fördert die Humusbildung. Gerade Wurzeln und Wurzelexsudate tragen maßgeblich zum Aufbau von Humus bei. Durch den Untersaatanbau erhöht sich die mikrobielle Aktivität des Bodens und es werden Prozesse zur Humusbildung angeregt. Dadurch leisten Untersaaten über die zusätzliche Kohlenstoffspeicherung im Boden einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz.
(Gras-)Samenvermehrung
Da das Risiko gegenüber einer Blanksaat geringer ist, werden Gräser zur Samenvermehrung als Untersaat etabliert. Die Samenernte erfolgt dann im Folgejahr. Praktiziert wird dieses Verfahren vor allem bei Rotschwingel, Wiesenschwingel, Knaulgras, Wiesenlieschgras und Deutschem Weidelgras. Bei den kurzlebigen Ackerfuttergräsern Welsches und Einjähriges Weidelgras werden für die Grassamenvermehrung dagegen vorzugsweise Blanksaaten durchgeführt. Darüber hinaus wird Rotklee gerne als Untersaat zur Samenvermehrung im ökologischen Landbau genutzt.
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Fruchtfolge
Welche Untersaatkomponenten passen zu den Kulturen in meiner Fruchtfolge? Hier steht die Anbausicherheit und somit die Verträglichkeit der Arten im Vordergrund. Häufig haben Arten der gleichen Familie in einer Untersaat und der Hauptkultur einen negativen Einfluss aufeinander.
Raps
Untersaaten sind sehr gut im Raps bei einer Einzelkornaussaat, aber auch für Normalsaaten geeignet. Die freie Bodenoberfläche gerade bei Einzelkornsaat wird sicher mit Bewuchs abgedeckt. Dadurch werden Erosion reduziert sowie Bodenstruktur und biologische Aktivität verbessert. Meistens werden abfrierende Arten eingebunden, damit im Frühjahr die Entwicklung der Hauptkultur durch die Untersaat nicht beeinflusst wird.
Alternativ können Kleearten im Frühjahr etabliert werden. Diese verbleiben über die gesamte Vegetationsperiode auf dem Feld und stellen auch nach der Ernte eine Begrünung sicher.
Bei der Artenauswahl sind keine Kreuzblütler empfohlen, um Krankheiten wie Kohlhernie, Sclerotinia und Verticillium im Raps nicht zu fördern.
Leguminosen
Bei Leguminosen ist von einer Untersaat abzuraten, da die Ernte bodennah erfolgt. Allerdings sind sie beliebte Komponenten als Untersaaten, da sie elementaren Stickstoff binden und pflanzenverfügbar machen. Vor allem im Sommer- und Wintergetreide ist Klee eine beliebte Untersaat. Die zusätzliche Stickstofffixierung über die Luft kommt der Hauptkultur zugute. Die Aussaat von Leguminosen als Untersaat wird im Frühjahr empfohlen, da Leguminosen wärmeliebend sind und im Frühjahr bessere Wuchseigenschaften aufweisen. Leguminosen sind mit sich selbst unverträglich und anfällig für bodenbürtige Krankheiten. Daher sind bei Körnerleguminosen sowie Luzerne, Rotklee und Esparsette Anbaupausen von mindestens vier bis sechs Jahren zu berücksichtigten, sowohl zwischen Untersaaten als auch bei Hauptkulturen. Kleinkörnige Leguminosen wie Weißklee, Inkarnatklee und Alexandrinerklee sind weitgehend selbstverträglich. Somit können einige kleinkörnige Leguminosen als Untersaaten mit geringeren Anbaupausen etabliert werden.
Mais
Untersaaten sind sehr gut in Reihenkulturen wie Mais geeignet. Freie Bodenoberfläche wird mit Bewuchs geschützt, Erosion reduziert und die Bodenstruktur sowie biologische Aktivität verbessert. Die späte Ernte von Silomais und gerade von Körnermais bietet oft keine Möglichkeit zur anschließenden Etablierung einer Begrünung mit Zwischenfrüchten. Hier kann eine Untersaat besonders sinnvoll sein. Bei der Artenauswahl gibt es keine Einschränkungen in Bezug auf Unverträglichkeiten. Allerdings ist hier bei entsprechenden Gräserarten auf den Ausbringungszeitpunkt zu achten. Starkwüchsige Gräser (zum Beispiel Deutsches/Welsches Weidelgras) sollten erst ab dem 6-Blatt-Stadium in Mais etabliert werden, sodass diese nicht in Konkurrenz zur Hauptkultur stehen und der Mais einen Entwicklungsvorsprung aufweist. Schwachwüchsige Arten (zum Beispiel Rotschwingel) dagegen können bereits mit der Maisaussaat oder kurz danach etabliert werden. Hier ist je nach Standort bei der Etablierung auf die verfügbaren Wasserkapazitäten zu achten, sodass die Untersaat nicht zu stark in Konkurrenz mit der Jugendentwicklung der Hauptfrucht steht.
Kartoffeln
Untersaaten sind sehr gut in Reihenkulturen wie Kartoffeln geeignet, um die freie Bodenoberfläche mit Bewuchs abzudecken. Sie gewährt einen wichtigen Beschattungs- und Verdunstungsschutz sowie eine Verhinderung von Spätverunkrautung. Somit kann sie essenziell zur Unkrautregulierung beitragen. Gleichzeitig kann eine Untersaat Restnährstoffe speichern, um vor einer Auswaschung oder Verlagerung zu schützen und die Restnitratmenge im Boden reduzieren. Bei der Artenauswahl steht die Verträglichkeit mit der Hauptkultur im Vordergrund. Phacelia fördert die Eisenfleckigkeit in Kartoffeln und wird daher nicht empfohlen. Bei der Einbindung von Ölrettich ist auf resistente Sorten zurückzugreifen, um den Nematodendruck nicht zu fördern. Der Ausbringungszeitpunkt wird frühestens zum Bestandesschluss empfohlen, damit keine Konkurrenz zur Kartoffel entsteht. Untersaaten sollten vor Erreichen der Samenreife abgeschlegelt werden, um Durchwuchsprobleme zu vermeiden.
Getreide
Generell können in allen Getreidearten Untersaaten etabliert werden. Lediglich in Hafer ist die Etablierung von Untersaaten aufgrund des höheren Beschattungseffekts schwieriger. Bei der Artenauswahl muss die Wüchsigkeit der Untersaat und die Konkurrenzkraft der Getreideart zueinander passen. Bestandsdichte Untersaaten und Sorten mit breiten Fahnenblättern sind eher ungeeignet. Bevorzugt werden beim Getreide Einzelährentypen/ Kompensationstypen, die einen höheren Lichteinfall für die Untersaat ermöglichen. Zusätzlich können hervorragend Leguminosen als Untersaat eingebunden werden. Sie bringen durch die Stickstoffbindung aus der Luft zusätzlichen Stickstoff in die Fruchtfolge und erzielen einen guten Vorfruchtwert für die Folgekultur. In Sommerkulturen werden niedrigwüchsige Weißklee-Mischungen empfohlen, die nicht in Konkurrenz mit dem Getreide stehen oder zu Problemen mitweiter der Wuchshöhe führen. Der Anbau von Getreide in weiter Reihe (mindestens 30 cm) bietet eine optimale Möglichkeit und Platz, um Untersaaten zu etablieren. Ist die Hauptkultur in weiter Reihe angelegt, wirft sie weniger Schatten auf die Untersaat und beeinflusst ihre Entwicklung positiv. Im Wintergetreide können Untersaaten zwischen Bestockung und Schossen etabliert werden. Dies ermöglicht eine Aussaat von Untersaaten sowohl im Frühjahr als auch im Spätherbst. Hierbei sind im Herbst eher langsam wachsende Arten zu wählen. In Sommergetreide wird empfohlen, eine Untersaat so früh wie möglich zu etablieren, um genügend Feuchtigkeit zur sicheren Keimung vor einer möglichen Frühjahrstrockenheit zu gewährleisten.
- Herbstuntersaaten mit Gräsern im Wintergetreide: Deutsches Weidelgras (mittel- bis späte Sorten), Wiesenschwingel, Knaulgras, Rotschwingel
- Frühjahrsuntersaaten im Getreide: Wiesenschwingel, Knaulgras, Rotschwingel, Weißklee, Rotklee
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Abfrierverhalten
Die Standzeit einer Untersaat steht mit der Wahl der Haupt- und Folgekultur in Verbindung. Bei einer geplanten Futternutzung sind winterharte Futterpflanzen auszuwählen, die eine Futtererzeugung im folgenden Jahr ermöglichen. Wenn nach der Untersaat noch eine Herbstbestellung ansteht, muss die Artenauswahl in Bezug auf das Abfrierverhalten nicht explizit beachtet werden. Bei Winterungen kann bereits bei der Herbstbestellung eine Untersaat mitausgebracht werden. Hierbei können abfrierende Komponenten eingebunden werden, die im Frühjahr die Entwicklung der Kultur nicht negativ beeinflussen. Wenn die Untersaat bei einer Herbstausbringung im Frühjahr weiter bestehen soll, müssen winterharte Arten ausgewählt werden.
Herbizid
Nicht abfrierende Arten, die nach dem Drusch der Hauptkultur über den Winter stehen bleiben, können im Frühjahr über verschiedene Verfahren beseitigt werden. Konventionelle Betriebe haben die Möglichkeit, auf ein Totalherbizid zurückzugreifen. Hierbei sind die Vorschriften der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PflSchAnwV) zu beachten.
Mulchen
Wenn Untersaaten nicht zur Futtergewinnung genutzt werden, kann der Bestand zur Pflege gemulcht werden, was ein überwachsen des Bestandes verhindert. Durch das Mulchen kann eine organische Mulchschicht auf der Bodenoberfläche erzeugt werden, die als wichtiger Erosions- und Verdunstungsschutz und Nahrungsquelle für das Bodenleben dient.
Bodenbearbeitung
Nicht abfrierende Arten, die nach dem Drusch der Hauptkultur über den Winter stehen bleiben, können im Frühjahr über verschiedene Verfahren beseitigt werden. Konventionelle Betriebe haben die Möglichkeit, auf ein Totalherbizid zurückzugreifen. Hierbei sind die Vorschriften der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PflSchAnwV) zu beachten.
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Saattermin
Die richtige Wahl des Aussaatzeitpunktes: Eine Aussaat der Untersaat erfolgt entweder im Herbst oder im Frühjahr.
Herbstsaaten
werden vor allem bei Arten mit einem Vernalisationsbedürfnis durchgeführt (z.B. Deutsches Weidelgras). Die Herbstetablierung erfolgt in der Regel mit der Aussaat der Hauptkultur und gewährt eine lange Vegetationszeit. Dies ermöglicht eine gute Vorwinterentwicklung der Untersaatkomponenten. Zu beachten ist eine entsprechende Winterhärte der ausgewählten Komponenten.
Kleinkörnige Leguminosen eignen sich aufgrund ihrer wärmeliebenden, anspruchsvollen und langsamen Entwicklung nicht für eine Herbstsaat.
Bei der Artenauswahl werden eher langsam wachsende Arten bevorzugt, um ein Überwachsen der Hauptfrucht zu verhindern.
Herbstuntersaaten mit Gräsern im Wintergetreide: Deutsches Weidelgras (mittel- bis späte Sorten), Wiesenschwingel, Knaulgras, Rotschwingel
Frühjahrssaaten
ermöglichen bessere Handlungsspielräume bei Herbizidmaßnahmen im Herbst. Im Frühjahr empfiehlt sich eine rechtzeitige Ausbringung in der Regel vor dem 1. April für sichere Aufwüchse und bei Gefahr einer Frühjahrstrockenheit. Jedoch sollte bei starkwüchsigen Arten, wie zum Beispiel dem Welschen Weidelgras, ein späterer Saattermin gewählt werden, damit das dominante Wuchsverhalten der Untersaat zur Hauptkultur nicht in Konkurrenz steht.
Die Aussaat wird im Ökolandbau nach dem letzten Striegel- oder Hackgang empfohlen. Nach der Aussaat der Untersaat ist keine mechanische Unkrautbekämpfung mehr zu empfehlen.
Eine Aussaat von Untersaaten kann bis zum Ende der Bestockung/Anfang Schossen erfolgen, sodass die Untersaat noch ausreichend Licht für die Keimung erhält.
Frühjahrsuntersaaten im Getreide: Wiesenschwingel, Knaulgras, Rotschwingel, Weißklee, Rotklee
Pflanzenschutz
Wenn die Untersaat im Frühjahr ausgebracht wird, empfiehlt sich die Herbizidbehandlung besonders zur Ungräserbehandlung im Herbst. Im Frühjahr ist eine zusätzliche Gräserbekämpfung mit blattaktiven Mitteln sinnvoll. Zwischen der Behandlung und dem Aussaattermin der Untersaat muss eine Wartezeit von mindestens 14 Tagen eingehalten werden.
Bei dem Einsatz von Bodenherbiziden im Frühjahr ist auf deren Verträglichkeit zu achten, um Schädigungen bei den Untersaaten zu vermeiden beziehungsweise ein Auflaufen der Untersaaten zu sichern. Gegebenenfalls können die Aufwandmengen angepasst werden. Zweikeimblättrige Unkräuter können ab dem 3-Blatt-Stadium der Gräser mit Wuchsstoffen behandelt werden. Der Einsatz von Wachstumsreglern stärkt die Halmstabilität und verhindert eine Lagerneigung der Hauptkultur. Lagergetreide hat gegebenenfalls einen negativen Einfluss auf die Entwicklung und Ernte der Untersaat. Die Standfestigkeit ist abzusichern.
Witterungsverhältnisse
Die erfolgreiche Etablierung einer Untersaat hängt von den Witterungsverhältnissen ab. Bei Trockenheit sind keine optimalen Keimbedingungen für die Untersaat gegeben. Eine Untersaat sollte im Frühjahr rechtzeitig ausgebracht werden, um die vorhandene Winterfeuchtigkeit zu nutzen.
Standorteigenschaften
Eine erfolgreiche Untersaat hängt unter anderem von den Bodeneigenschaften ab. Die Bodenart bestimmt unter anderem die Wasserkapazitäten. Gerade bei Trockenheit ist der begrenzende Faktor Wasser. Auf leichten Böden bei Wassermangel ist eine Untersaat in Frage zu stellen.
Standorte mit hohem Druck von Problemunkräutern und -gräsern, wie zum Beispiel Gemeine Quecke, Wiesenfuchsschwanz, Distel oder Kamille, sind ungeeignet für Untersaaten, da die Möglichkeiten zur chemischen und mechanischen Unkrautbekämpfung stark eingeschränkt sind.
Befahrbarkeit
Bei der Aussaat muss eine entsprechende Befahrbarkeit gegeben sein, um tiefe Spuren und damit Strukturschäden auf der Fläche zu vermeiden.
Samenreife
Der Saattermin steuert die Standzeit der Untersaat. Je früher die Aussaat erfolgt, gerade im Herbst, desto größer ist das Risiko, dass die Untersaat die Samenreife erreicht und es damit zu Durchwuchsproblemen in der Folgekultur und auch langfristigen Unkraut-/Ungräserproblemen kommen kann. Hier ist zu beachten, welche Arten zu einer schnellen Samenbildung neigen, zum Beispiel Einjähriges Weidelgras. Alternativ können bei einigen Arten auch gezielt Sorten ausgesucht werden, die eine späte Blühneigung aufweisen.
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Aussaat-Management
Mögliche Ausbringungstechniken sind Drillsaat, Grünlandstriegel mit Saatvorrichtung, Pneumatikstreuer, Schneckenkornstreuer oder die Drohnenaussaat. Eine Untersaat kann je nach Ausbringungsmethode zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Stadien der Hauptkultur etabliert werden. Zusätzlich können Strohreste bzw. die Strohbergung die weitere Entwicklung der Untersaaten beeinflussen.
Strohmanagement
Eine gleichmäßige Strohverteilung nach der Ernte ist für die Weiterentwicklung der Untersaat von entscheidender Bedeutung. Große Strohmengen können die Untersaat im Wuchs behindern bzw. ersticken. Optimal ist eine Bergung des Strohs von der Fläche.
Ablagetiefe
Welche Anforderungen an die Keimung haben Untersaaten? Benötigen sie einen geschlossenen Bodenkontakt mit hohen Wasserkapazitäten, wie zum Beispiel grobkörnige Leguminosen oder sind die Arten Lichtkeimer? Lichtkeimer keimen schon bei einer Ausbringung auf der Bodenoberfläche ohne oder mit nur geringer Bodenbedeckung, wie z.B. Gräser. Die Saatgutablage spielt bei diesen Arten für eine erfolgreiche Keimung eine entscheidende Rolle. Die Ablagetiefe der verschiedenen Arten sollte sich an der Keimkraft orientieren. Große Samen haben in der Regel einen höheren Keimwasseranspruch und weisen eine höhere Keimkraft auf als kleinsamige (z.B. Weißklee). Das heißt, großkörnige Arten sind tiefer abzulegen als kleinsamige. Die entsprechenden Arten dürfen nicht zu tief und nicht zu flach abgelegt werden.
Drohne
Immer häufiger kommen für die Ausbringung von Untersaaten Drohnen zum Einsatz. Drohnen ermöglichen eine Reduktion an Überfahrten und ein Ausbringen von Untersaaten auch in bereits etablierten Beständen und bei schlechter Befahrbarkeit. Dadurch ist die Aussaat von Untersaaten unabhängig von der Hauptkultur. Die Drohne ermöglicht frühe Saattermine und ist weitgehend unabhängig von Feuchteverhältnissen des Bodens. Die Kosten betragen je nach Anbieter mindestens 30 Euro pro Hektar sowie zusätzlich die Anfahrtskosten. Bei der Saatgutausbringung mit der Drohne sind allerdings bei der Artenauswahl die Anforderungen an die Ablage und Streufähigkeit zu berücksichtigen. Hier kann die Verwendung von ge-coatetem Saatgut sinnvoll sein, um die Streufähigkeit zu verbessern. Bei diesem Verfahren liegen die Samen auf der Bodenoberfläche und haben geringen Bodenkontakt. Dies kann bei Trockenheit ein Nachteil sein.
Striegel mit Saatvorrichtung
Eine Kombination aus Striegelgang und aufgesattelter Streueinrichtung sichert die Unkrautbekämpfung und gleichzeitige flache Einarbeitung der Untersaat mit schlüssigem Bodenkontakt.
Streutechnik
Eine Untersaat kann einfach und günstig mit einem Düngerstreuer oder Pneumatikstreuer ausgebracht werden. Hier sind allerdings bei der Artenauswahl die Anforderungen an die Ablage und Streufähigkeit zu berücksichtigen. Die Samen liegen lediglich auf der Bodenoberfläche und haben geringen Bodenkontakt. Grobkörnige Leguminosen benötigen für optimale Keimbedingungen einen geschlossenen Bodenkontakt und haben einen höheren Keimwasserbedarf. Streutechniken ermöglichen gerade im Frühjahr bereits eine rechtzeitige Etablierung im Februar/März.
Direktsaat
Einige Direktsaatmaschinen verfügen über mehrere Tanks und Säschare. Somit kann die Aussaat der Untersaat und Hauptkultur gleichzeitig mit einem Arbeitsgang erfolgen.
Drillsaat
Die Untersaat kann auch über die normale Drillmaschine zwischen den Saatreihen der Hauptkultur erfolgen. Hier wird empfohlen, Kreiselegge und Striegel hochzustellen, um bei einem bereits bestehenden Bestand die Kultur nicht zu beschädigen. Eine Drillsaat im Frühjahr kann erst erfolgen, wenn günstige Bedingungen mit der Befahrbarkeit gegeben sind, sodass der Saattermin eher im März/April gegeben ist.
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Artenauswahl
Welche Komponenten sind für eine Untersaat gut geeignet?
Arten für eine Untersaat müssen recht robust, schattenverträglich, durchhaltefähig, fruchtfolgeneutral, niedrig und langsam wachsend sein, sowie eine gute Wurzelleistung zur Erschließung des Bodens besitzen.
- Leguminosen: Klee (Weißklee, Perserklee, Alexandrinerklee), Serradella (für Sandböden)
- Gräser: Deutsches Weidelgras, Rotschwingel, Schafschwingel, Rohrschwingel, Wiesenschwingel, Knaulgras
- Ungeeignete Arten (anfällig für Krankheiten, dominante Wuchseigenschaften/Konkurrenten oder Ähnliches): Rotklee (bedingt im Frühjahr), Luzerne, Welsches Weidelgras, Wiesenschweidel, Wiesenrispe
Reinsaat/Mischungen
Bei der Artenauswahl steht die Anbausicherheit im Vordergrund. Ist die Verträglichkeit von unterschiedlichen Arten nicht gewährleistet, ist eine Reinsaat die sicherere Anbauvariante. Mischungen garantieren Vielfalt auf der Fläche, im Boden, in der Fruchtfolge und mindern das Risiko eines Totalausfalls. Bei Eigenmischung von Zwischenfrüchten muss der relative Gewichts- oder Samenanteil berücksichtigt werden.
Stickstofffixierung
Die Einbindung von Leguminosen in Untersaaten ermöglicht eine zusätzliche Stickstofffixierung aus der Luft. Gerade in roten Gebieten wirkt sich die Zufuhr von Stickstoff über Leguminosen positiv auf die Fruchtfolgeglieder aus.
Wuchshöhe
Bei der Artenauswahl der Untersaaten ist auf deren Wuchseigenschaften zu achten. Überwächst die Untersaat die Hauptkultur, kann die grüne Masse der Untersaat den Feuchtegehalt der Getreidekörner negativ beeinflussen beziehungsweise den Drusch auch erschweren. Damit der Drusch der Hauptfrucht nicht behindert beziehungsweise verunreinigt wird, sind niedrigwüchsige Arten auszuwählen oder Arten, die erst nach der Ernte größere Wuchshöhen erreichen. Über den Saattermin kann die Standzeit und damit die Wachstumsintensität der Untersaat bis zur Ernte der Hauptfrucht gesteuert werden.
Konkurrenzvermögen
Eine Untersaat darf nicht in Konkurrenz mit der Hauptkultur stehen. Eine gleichzeitige Aussaat der Untersaat und Hauptkultur kann bei wüchsigen Untersaatkomponenten die Hauptkultur negativ in der Jugendentwicklung beeinflussen beziehungsweise zu Ernteerschwernissen führen, zum Beispiel in Mais oder Getreide. Eine spätere Aussaat der Untersaat oder die Auswahl von langsam wachsenden Arten gewährt der Hauptkultur einen Vorsprung in der Entwicklung.
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Effekte
Untersaaten haben viele positive Umwelt- und pflanzenbauliche Effekte. Jedoch ist nicht jeder Standort für Untersaaten geeignet. Auf Hochertragsstandorten gelangen Untersaaten an ihre Grenzen. Dichte, üppige Bestände der Hauptkulturen beeinflussen die Lichtverhältnisse für die Untersaatentwicklung. Schlechte Lichtverhältnisse wirken sich negativ auf die Untersaatetablierung und damit auf ihren Erfolg aus.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Bei der Saatgutauswahl ist auf Saatgutqualität wie Keimfähigkeit, Sortenreinheit und Preis zu achten. Eine gute Qualität mit sicherem Erfolg deckt zusätzliche Ausgaben ab. Nur unter guten Voraussetzungen kann die Hauptkultur bestmöglich von den positiven Effekten - zum Beispiel Ertragssteigerung, reduzierter Pflanzenschutz, höhere Nährstoffverfügbarkeit etc. - profitieren. Es gilt also, einen guten Kompromiss zwischen dem Preis und der Qualität/Zusammensetzung der Untersaat zu finden.
Nährstoffspeicherung und -lieferung
Untersaaten können Nährstoffe effektiv in der Fruchtfolge akkumulieren. Sie speichern im Herbst auswaschungsgefährdete Nährstoffe und stellen diese wieder für die Folgekulturen zur Verfügung. Leguminosen fixieren zusätzlichen Stickstoff aus der Luft und bringen ihn in die Fruchtfolge. Gerade in roten Gebieten hat die effektive Nährstoffnutzung eine bedeutende Rolle. Vorhandene Nährstoffe müssen im System genutzt werden. Bei Gräsern hingegen, die ein weites C/N-Verhältnis aufweisen, kann es dagegen in der unmittelbaren Folgekultur zu N-Fixierung kommen bzw. zu suboptimalen N-Freisetzungsprozessen. Dies ist bei der Düngung zu berücksichtigen.
Düngereinsparung
Durch die Nährstoffspeicherung und -freisetzung sind Untersaaten kontinuierliche Nährstofflieferanten für die Folgekulturen. Je nach Artenzusammensetzung und Standzeit kann die Folgekultur von diesen N‑Flüssen profitieren und gegebenenfalls kann Dünger eingespart werden. In roten Gebieten kann die eingeschränkte Düngemöglichkeit durch die Integration von geeigneten Untersaaten (v.a. Leguminosen) kompensiert werden.
Arbeitsmanagement
Eine Untersaat kann im Vergleich zu Zwischenfrüchten eine Arbeits- und Kostenreduzierung ermöglichen, da sie nach der Ernte der Hauptkultur als Zwischenfrucht genutzt werden kann. Die Arbeitsgänge für eine Zwischenfruchtetablierung werden eingespart und reduzieren weitere Überfahrten. Arbeitsspitzen im Sommer werden somit entzerrt.
Eine Untersaat kann Arbeitsgänge für Pflanzenschutz, Düngung und Bodenbearbeitung reduzieren. So kann u.a. bei effektiver Nährstoffnutzung in der Fruchtfolge Dünger eingespart und Kosten gesenkt werden.
Ertrags- und Qualitätssteigerung/-sicherung
Untersaaten können einen positiven Effekt auf die Fruchtfolge haben. Grundlegend stärken Untersaaten die Bodenfruchtbarkeit. Mit einem fruchtbaren Boden wird die Ausgangsbasis für die Hauptkulturen gefördert und damit die Wachstumsbedingungen für die Ertragsbildung verbessert.
Kohlenstoffspeicherung
Mit Untersaaten wird zusätzliche Biomasse auf der Ackerfläche erzeugt, die über die Photosynthese Kohlendioxid aus der Luft bindet und langfristig im Boden als Kohlenstoff speichert und zur Humusanreicherung beiträgt.
