Rund 45 Teilnehmende, überwiegend Praktiker, kamen am 23. Juni 2026 auf dem Naturland-Betrieb von Herbert Krückel und Sabine Feddersen in Werneck (Unterfranken) zusammen. Im Mittelpunkt des Feldtags standen die Fragen, wie sich Ackerbausysteme an zunehmende Trockenheit anpassen lassen und welche Rolle Humusaufbau und klimaangepasste Kulturen wie Färberdistel (Saflor) und Rispenhirse dabei spielen können. Naturland war Mitveranstalter des Feldtages.
Zu Beginn stellte Herbert Krückel seinen Betrieb vor.
Sander Hoogendam, BÖLW, HumusKlimaNetz, betonte, dass Humus nicht nur für den Klimaschutz große Potenziale biete, sondern gleichzeitig zum Beispiel Bodenleben, Nährstoffspeicherung, Wasserhaltevermögen und die Widerstandsfähigkeit der Böden gegenüber Wetterextremen fördere. Die anschließenden Vorträge und Feldbegehungen zeigten, welche Chancen die beiden alternative Kulturen für trockene Standorte bieten können.
Färberdistel: eine alte Kulturpflanze wiederentdeckt
Ein Schwerpunkt des Feldtags war die Färberdistel (Saflor), vorgestellt von Dr. Hans Peter Maurer, Landessaatzuchtanstalt, Universität Hohenheim. Die alte Kulturpflanze erlebt eine Wiederentdeckung und könnte insbesondere auf trockenen Standorten künftig an Bedeutung gewinnen.
„Manche reagieren zunächst skeptisch: Ich baue doch keine Distel an!“, berichtete Maurer schmunzelnd. Saflor ist jedoch einjährig und bildet keine Rhizome. Als Sommerung kann die Ölfrucht getreide- und winterungsbetonte Fruchtfolgen sinnvoll erweitern und mit vorhandener Technik problemlos angebaut werden.
Betriebsleiter Herbert Krückel (l.) und Moritz Böhm, Bioland (r.) am 23. Juni im Saflor-Bestand kurz vor der Blüte . Die Aussaat erfolgte Anfang April.
Saflor-Bestand kurz vor der Blüte
Teilnehmende des Feldtags begutachteten den Färberdistelbestand kurz vor der Blüte.
Die Kultur gilt als pflegeleicht und konkurrenzstark, verträgt Fröste bis etwa -7 Grad Celsius und ermöglicht dadurch eine frühe Aussaat sowie eine frühe Ernte. Eine Stickstoffversorgung von etwa 80 bis 100 Kilogramm Stickstoff pro Hektar wirkt sich positiv auf die Ertragsbildung aus. Auf guten Böden wurden im ökologischen Anbau Erträge von bis zu 4 Tonnen pro Hektar erreicht.
Ihre Pfahlwurzel kann bis zu drei Meter tief reichen und Wasser sowie Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten erschließen. „Ich mag die Pflanze. Wenn hier jetzt Mais stehen würde, sähe er katastrophal aus. Saflor konnte ich bereits Anfang April aussäen und bin bisher sehr zufrieden“, so Betriebsleiter Krückel. Die tiefe Durchwurzelung kann zudem zum Humusaufbau beitragen.
Im Feld wurde der Einfluss von Vorfrucht, Stickstoffnachlieferung und Wasserverfügbarkeit diskutiert. Zwei benachbarte Bestände unterschieden sich trotz gleicher Bewirtschaftung deutlich: Nach spät umgebrochener winterharter Zwischenfrucht lag die Ertragserwartung bei nur etwa 1 Tonne pro Hektar, nach Kleegras und ohne Zwischenfrucht dagegen bei rund 2 Tonnen.
Betriebsleiter Herbert Krückel (l.) und Dr. Hans Peter Maurer (Universität Hohenheim, Mitte) diskutierten mit den Teilnehmenden Anbau, Bestandsentwicklung und Ertragspotenzial der Färberdistel.
Die Naturland Marktgesellschaft erprobt seit 2025 die Vermarktung. Bei mindestens 22 Prozent Ölgehalt werden derzeit rund 730 Euro pro Tonne erzielt, etwa auf dem Preisniveau von Öko-Sonnenblumen. Aufgrund höherer Erträge ist die Sonnenblume im Anbau aber meist wirtschaftlicher als Saflor. Züchtungsfortschritte könnten dies jedoch künftig verbessern.
Saflor-Produkte im Bild: Pflanze kurz vor der Blüte, sonnenblumenähnliche Samen, Ölpresskuchen und getrocknete Blütenblätter („falscher Safran“).
Die Nutzungsmöglichkeiten reichen von Speiseöl über Futtermittel bis hin zu natürlichen Farbstoffen. Zudem stellt die Blüte im Hochsommer eine wertvolle Nahrungsquelle für Bestäuber dar. Für Maurer steht fest: „Saflor hat das Potenzial, ein Gewinner des Klimawandels zu werden.“ Voraussetzung dafür sind neben Züchtungsfortschritten auch funktionierende regionale Wertschöpfungsketten.
Rispenhirse: eine trockenheitstolerante Kultur für Mensch und Tier
Werner Vogt-Kaute von der Naturland-Beratung stellte die Rispenhirse (Panicum miliaceum) als mögliche Kultur für trockene Standorte vor: „Die früher als Grundnahrungsmittel verbreitete Kultur wurde im Laufe der Zeit weitgehend durch Kartoffeln, Weizen und Roggen verdrängt. Die Rispenhirse gilt als trockenheitstolerante C4-Pflanze, benötigt für eine sichere Jugendentwicklung jedoch ausreichend warme Böden. Die Aussaat erfolgt meist Anfang bis Mitte Mai, je nach Region auch Anfang Juni – vorausgesetzt, es stehen ausreichend Niederschläge zur Verfügung.
Werner Vogt-Kaute (Naturland) stellte die Botanik, den Anbau, die Sortenwahl und die Verwertung der Rispenhirse vor.
Rispenhirsebestand
Das Potenzial der Rispenhirse zum Humusaufbau wurde diskutiert. Sie ist diesbezüglich mit Sommergetreiden vergleichbar. Als spät gesäte Sommerung ermöglicht sie den Anbau überwinternder Zwischenfrüchte, sofern im Frühjahr ausreichend Bodenwasser verfügbar ist. Als weitere humusaufbauende Maßnahme erprobt Krückel Untersaaten: „Beim letzten Striegelgang säe ich Anfang Juni 2,5 Kilogramm pro Hektar Weißklee und 1,5 Kilogramm pro Hektar Spitzwegerich pneumatisch aus. Im vergangenen Jahr war die Untersaat bis zum Drusch kaum sichtbar, entwickelte sich danach aber zu einem Bestand mit guter Bodenbedeckung.“ Die zusätzlichen Kosten seien überschaubar.
Neben der menschlichen Ernährung ist Rispenhirse auch für die Geflügel- und Schweinefütterung interessant, da sie viel Methionin enthält und kaum antinutritive Inhaltsstoffe aufweist. Durch den Einsatz von Rispenhirse lässt sich der Anteil einheimischer Komponenten in der Ration erhöhen und der Anteil importierter Ölkuchen senken.
Moritz Böhm (Bioland) diskutierte am 23. Mai mit den Teilnehmenden die Bestandsentwicklung der Rispenhirse (Aussaat Mitte Mai) und begutachtete eine Einzelpflanze.
Mit dem diesjährigen Hirsebestand ist Betriebsleiter Herbert Krückel jedoch nicht zufrieden. Ausschlaggebend seien die späte Aussaat und ausgeprägte Frühjahrstrockenheit; kommt nach der Aussaat noch einmal Frost, bleibt die Hirse in ihrer Entwicklung stehen und das Unkraut übernimmt. Gleichzeitig erinnert er an das Potenzial der Kultur: Bei seinem ersten Hirseanbau im Jahr 2017 erzielte er rund 5 Tonnen pro Hektar Ertrag. „Das lag vor allem an den guten Niederschlägen in dem Jahr. Einen solchen Ertrag habe ich seitdem leider nicht mehr erreicht.“
Kleegras im dritten Nutzungsjahr – Potential für Humusaufbau und Grenzen des Systems
Den Abschluss des Feldtags bildete ein Bodenprofil auf einer Kleegrasfläche im dritten Standjahr, vorgestellt von Moritz Böhm (Bioland) und Betriebsleiter Herbert Krückel. Auf der Fläche wird im HumusKlimaNetz eine Feldfutterbrache als humusaufbauende Maßnahme erprobt: Die gesamte Biomasse verbleibt auf der Fläche und wird lediglich gemäht und breit verteilt.
Moritz Böhm (Bioland, Mitte) und Betriebsleiter Herbert Krückel (3. v. l.) diskutierten mit den Teilnehmenden ein Bodenprofil in einem Kleegrasbestand im dritten Standjahr.
Klee und Luzerne sind aufgrund der langen Standzeit und des regelmäßigen Schnitts weitestgehend verschwunden. Gleichzeitig zeigte sich durch die vielen Gräser eine intensive Durchwurzelung des Bodens. „Die Wurzeln sind für den Humusaufbau oft wichtiger als die oberirdische Biomasse“, erläuterte Böhm. Besonders Regenwurmgänge fungieren als „Wurzelautobahnen“ und erschließen tiefere Bodenschichten. Das Bodenprofil gibt einen Einblick in den tiefgründigen Boden mit 80 Bodenpunkten.
Regenwurmgang in einem Kleegrasbestand im dritten Standjahr; rechts: am Bodenprofil
„Ackerbaulich und vor allem wirtschaftlich sehe ich den Bestand kritisch, normalerweise würde ich Kleegras maximal zwei Jahre stehen lassen“, so Krückel. Kleegras dient im Betrieb vor allem der Bodenruhe, Stickstoffversorgung sowie der Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und Disteln. Der erhöhte Anteil mehrjähriger Feldfutterflächen wird im HumusKlimaNetz umgesetzt, um ihre Wirkung auf Humus, Treibhausgasbilanz und Wirtschaftlichkeit zu bewerten.
Im kommenden Jahr ist auf der Fläche mit zusätzlichem Anbau von Körnermais eine weitere humusaufbauende Maßnahme geplant. Moritz Böhm empfahl einen frühen Umbruch des Kleegrases sowie den anschließenden Anbau einer Zwischenfrucht, um freigesetzten Stickstoff aufzunehmen, zwischenzuspeichern und der Folgekultur wieder zur Verfügung zu stellen.
Literatur:
Drexler, S., Broll, G., Flessa, H., & Don, A. (2022). Benchmarking soil organic carbon to support agricultural carbon management: A German case study. Journal of Plant Nutrition and Soil Science, 185, 427–440.
