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Feldtag auf dem Landwirtschaftsbetrieb Domin am 23.04.2026 (Brandenburg)
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Veröffentlicht am
10. Juni 2026

Am 23. April 2026 fand auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Thomas Domin ein Feldtag unter dem Titel „Vom Gehölz zur Wertschöpfung: Agroforst planen, finanzieren und nutzen“ statt. Rund 20 Teilnehmende, überwiegend Landwirtinnen und Landwirte sowie Vertreter:innen aus Verarbeitung und Beratung, kamen zusammen, um sich über praktische Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen in der Agroforstwirtschaft auszutauschen.

Agroforst in der Praxis: Erfahrungen und Herausforderungen

Nach einer kurzen Einführung in das HumusKlimaNetz stellte Betriebsleiter Thomas Domin seinen Betrieb vor. Domin berichtete anschaulich von seinen Erfahrungen mit Agroforst und hob die positiven Effekte der Gehölzstrukturen hervor, etwa die spürbare Reduzierung von Wind- und Bodenerosion. Gleichzeitig ging er offen auf Herausforderungen ein, die insbesondere in der Anfangsphase auftraten – darunter Fragen der Förderfähigkeit sowie die Abstimmung mit Verpächtern. Bei den Verwertungswegen setzt der Betrieb auf verschiedene Ansätze: Kurzumtriebsgehölze werden als Hackschnitzel für die eigene Wärmeversorgung genutzt und vermarktet, während Obstbäume die Grundlage für Tafelobst, Säfte und verarbeitete Produkte bilden, die im Hofladen angeboten werden. Erste Versuche zur Herstellung von Pflanzenkohle erwiesen sich hingegen als anspruchsvoll.

Thomas Domin stellt seinen Betrieb und seine agroforstliche Nutzung vor.

Julia Günzel gibt Einblicke in Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für Agroforst und zeigt Einstiegsperspektiven für landwirtschaftliche Betriebe auf. 

Von Förderung bis Markt: Wege zur Wertschöpfung 

Im anschließenden Fachvortrag stellte Julia Günzel (DeFAF) zentrale Aspekte der Finanzierung und Förderung von Agroforstsystemen vor. Sie machte deutlich, dass insbesondere in der Anfangsphase erhebliche Investitionen erforderlich seien, während wirtschaftliche Erträge erst verzögert einsetzten. Gleichzeitig zeigte sie auf, dass sich die agrarförderrechtlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und teilweise verbessert hätten, etwa durch vereinfachte Regelungen und eine stärkere Einbindung von Agroforst in bestehende Fördersysteme. Neben klassischen Agrarförderinstrumenten bestünden zusätzliche Möglichkeiten über Programme der Bundesländer oder im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz, deren Verfügbarkeit jedoch regional unterschiedlich sei. Ergänzend wurden alternative Finanzierungsansätze wie LEADER-Förderung, private Stiftungen oder Baumpatenschaften vorgestellt. Einen Überblick über die verfügbaren Förderprogramme können sich Interessierte zum Beispiel in Übersicht 1 und Übersicht 2 verschaffen.  

Ein besonderer Fokus lag auf der Vermarktung und Kommunikation von Agroforstprodukten. Günzel betonte, dass Vernetzung, gezieltes Storytelling und transparente Information entscheidend seien, um Verbraucherinnen und Verbraucher für die Mehrwerte der Agroforstwirtschaft zu sensibilisieren. Die Initiative „Besser mit Bäumen“, an der auch Thomas Domin beteiligt ist, zeigt, wie Agroforstprodukte erfolgreich in den Lebensmitteleinzelhandel gebracht werden können. Leitprodukte wie Agroforstbrot oder Eier wurden dabei mit klarer Kennzeichnung und begleitender Öffentlichkeitsarbeit eingeführt, um ihre Herkunft und ihren Mehrwert – etwa für Klimaanpassung und Bodenschutz – sichtbar zu machen. 

Einblicke vor Ort und Austausch zu neuen Ideen 

Im Anschluss führte eine Exkursion per Kremser in die Agroforstsysteme des Betriebs. Dabei wurden verschiedene Elemente wie ein Agroforstlehrpfad sowie ein als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme angelegtes System vorgestellt, das eine Finanzierungsoption darstellen kann. 

Während der Exkursion wurden zudem neue Kooperationsansätze diskutiert. Im Austausch mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Senftenberg diskutierte Domin erste Ideen für eine agroforstbasierte Energie- und Wärmeversorgung zukünftiger Wohngebiete. Zudem stellte Svenja Nette (Vivo Carbon) ein Finanzierungsmodell für Landwirte vor, bei dem Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen von der Firma langfristig organisiert und finanziert werden, während Erlöse aus der Holznutzung anteilig zurückfließen – ein Ansatz, der insbesondere für weniger ertragreiche Standorte interessant sein könne.

 

Mit dem Kremser geht es zu den Agroforstsystemen des Betriebs.

Domin diskutiert Perspektiven einer agroforstbasierten Wärme- und Energieversorgung.

Weitere Impulse kamen aus der Verarbeitung: So wurde über die Zusammenarbeit mit einer Bäckerei bei der Herstellung von Agroforstbrot berichtet, im Zuge derer die Anbaufläche von Champagnerroggen aus dem Agroforstsystem auf dem Betrieb in kurzer Zeit deutlich ausgeweitet werden konnte. Zudem hob eine Kelterei Ihr Interesse an der Verarbeitung des erzeugten Obstes hervor, wobei insbesondere Ernteorganisation und Logistik von Domin als anspruchsvoll beschrieben wurden.

Den Abschluss des Feldtages bildeten eine Verkostung von Agroforstbrot und ein angeregter Austausch der Teilnehmenden, bei dem Erfahrungen vertieft und Kontakte weiter ausgebaut wurden.

An einem windigen Tag wird in den Agroforstflächen spürbar, wie effektiv die Gehölzstrukturen die Flächen vor Wind schützen.

Den Abschluss bildet eine gemeinsame Verkostung von Agroforstbrot.