Gerd Philipp ist die Stärkung der Biodiversität und der Klimaresilienz auf seinen Flächen ein großes Anliegen, um seinen Ökobetrieb zukunftsfähig zu machen. Es geht ihm nicht um den größtmöglichen Ertrag, sondern darum, das Bodenleben zu fördern und den Boden nachhaltig aufzubauen. Das versucht er durch unterschiedliche Maßnahmen zu erreichen, unter anderem durch eine stetige Gründüngung auf den Flächen.
Im Rahmen des HumusKlimaNetz testet er den Anbau von Kleegras mit Schnitt, mit Beweidung oder gemulcht, und neben verschiedenen Untersaaten, die Nutzung von Agrobiogel in verschiedenen Ausbringungsmengen. In Kooperation mit dem Biodiversitätsnetz BW baut er seit 2022 Getreide in weiter Reihe mit und ohne blühende Untersaat an. Außerdem sorgt er durch die Einsaat von Niederwild- und Blühmischungen auf stillgelegen Flächen für ein vielfältiges Nahrungsangebot und Rückzugsflächen für zahlreiche Tierarten der Agrarlandschaft.
Nach der Vorstellung des HumusKlimaNetz durch die Regionalkoordinatorin Jutta Ortlepp, BÖLW, und des Biodiversitätsnetz Baden-Württemberg durch Wenzel Steinhilper, RP Karlsruhe, ging es an diesem Vormittag um die Ökonomie beim Kleegras und um die neuesten Erkenntnisse bei der Biodiversitätsförderung.
In einem anschaulichen Impulsvortrag zeigte Christian Lutz, Biolandberatungsdienst und Betriebsbegleiter im HumusKlimaNetz, wie das auf dem eigenen Betrieb erzeugte Kleegras gezielt für den Humusaufbau genutzt werden kann und ökonomisch optimal zu verwerten ist. „Am sinnvollsten ist es natürlich, das Kleegras durch den Kuhmagen laufen zu lassen und die Reste wieder auf den Acker zu bringen, das gibt die größte Wertschöpfung“, erklärte er der Runde, „allerdings kann die ökonomische Verwertung von Kleegras auch in der viehlosen Landwirtschaft gut gelingen. Beispiele dafür sind Nutzung in der Biogasanlage, Cut and Carry, Kompostierung zur Wiederausbringung, auch Saatgut-Vermehrung kann eine Möglichkeit sein. Letztlich kommt es darauf an, was zum Betrieb und seinen Abläufen passt. Grundvoraussetzung für gelingendes Feldfutter ist optimale Produktionstechnik, also Saatgutmischung, Etablierung und Nährstoffversorgung.“
Bevor es auf die Flächen ging, stellte Hannah Weinläder von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) verschiedene Biodiversitätsmaßnahmen auf Ackerland, ihre Umsetzung, Vorteile, Herausforderungen und Auswirkungen auf Ertrag und Umwelt vor. Verschiedene Ansätze wie segregierte und produktionsintegrierte Maßnahmen wurden verglichen in Bezug auf Biodiversität, Ertrag und Umweltschutz auf Ackerflächen. „Der segregierte Anbau beinhaltet Blühstreifen, Hecken und Brachen zur Förderung spezieller Arten. Sie bieten einen hohen ökologischen Mehrwert und sind ohne großen Aufwand zu managen, dafür aber mit einem Flächenverlust für die Produktion verbunden. Anders die produktionsintegrierten Maßnahmen. Sie integrieren die Biodiversität direkt in den Anbau, durch Mischkulturen und Untersaaten. Dadurch gibt es hier keine Flächenverluste und die Biodiversität wird auf dem gesamten Feld gefördert. Allerdings ist der Managementaufwand viel komplexer und die Konkurrenz in der Kultur kann zu Ertragseinbußen führen. Dafür bieten die Untersaaten aber auch zusätzliche, nicht zu vernachlässigende Vorteile, wie Bodenschutz und Erosionsminderung, die Ertragseinbußen rechtfertigen können“, zieht die Referentin als Fazit aus ihrem Vortrag.
Christian Lutz, Bioland, stellte die ökonomischen Aspekte von Kleegras vor.
Hannah Weinläder, HfWU Nürtingen-Geislingen, referierte zu verschiedenen Biodiversitätsmaßnahmen, die auf dem Betrieb umgesetzt werden.
Nach einer kurzen Pause ging es auf die Flächen, um das Gehörte auch direkt vor Ort zu besichtigen. Hier stand die Gruppe zunächst vor einem Sommerackerbohnenbestand, der mit 25 Zentimetern in weiter Reihe gesät war. Gerd Philipp erklärte den Umstehenden, dass hier mehrmals gehackt wurde und beim letzten Hackgang eine Untersaat aus Weißklee und Gras ausgebracht worden sei. Die Gruppe staunte und schaute skeptisch, sah man von dieser Untersaat doch so gut wie nichts. Der Betriebsleiter bestätigte: „Durch die anhaltende Trockenheit konnte sich die Untersaat bisher nicht etablieren“. Christian Lutz, als Betriebsbegleiter, konnte aber beruhigen: „Wenn jetzt Regen fällt, ist eine Etablierung durchaus noch möglich und schützt die Fläche effektiv vor Spätverunkrautung.“
Ackerbohnen in weiter Reihe mit nicht aufgelaufener Untersaat
Begutachtung des Ackerbohnenbestandes in weiter Reihe
Dann ging es auf den Kleegrasbestand. Der wurde letztes Jahr im August angesät, mit der Besonderheit, dass als Deckfrucht eine ganz normale, abfrierende Zwischenfrucht verwendet wurde. Es stand also eine Sommerzwischenfrucht als Deckfrucht und es wurde ein Rotklee-/Inkarnatkleegemenge als Untersaat mitgesät. Christian Lutz zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis und erklärte den Anwesenden: „Dieser Bestand hat sich sehr schön etabliert, mit einem Trockenmasseaufwuchs von 50 Dezitonnen im ersten Schnitt. Auf diesem Standort entspricht das 2/3 des Grünlandertrags in normalen Jahren, hier wird man aber noch mindestens zwei Schnitte machen können. Die schnellwüchsige Zwischenfrucht gab dem jungen Klee im schwierigen Winterhalbjahr optimale Deckung und hat im Spätherbst schon gutes Regenwurmfutter produziert.“
Gerd Philipp neben dem HumusKlimaNetz-Feldrandschild, vor der Maßnahmenfläche mit Kleegras
Gäste des Feldtages vor der Fläche mit dem Kleegrasbestand
Anschließend fanden sich alle Gäste auf einer Demofläche des HumusKlimaNetz ein, auf der ein Holzderivat (Agrobiogel) aus der Papierherstellung mit Öko-Zulassung ausgebracht wurde. Ein Quellstoff, der dafür sorgen soll, im Boden die Wasserversorgung der Pflanze zu gewährleisten und so auch Biomassewachstum in Trockenphasen zu ermöglichen. Drei Demoflächen mit unterschiedlichen Ausbringungsmengen waren angelegt worden. Eine Nullvariante ohne Ausbringung, eine Parzelle mit jährlicher Saatrillenapplikation (30 Kilogramm pro Hektar) und eine Parzelle mit einmaliger Vorratsmenge von 800 Kilogramm pro Hektar sind angelegt worden. Gerd Philipp erläutert: „Die Effekte im letztjährigen Kleegras waren deutlich positiv, allerdings nur bei der unwirtschaftlich hohen Aufwandmenge von 800 Kilogramm. Im Vergleich zur Nullparzelle konnte ich hier 182 Prozent TS vom Kleegras ernten“. In der Folgekultur Dinkel sind optisch aktuell nur leichte Unterschiede zu sehen, da die Wasserversorgung in diesem Jahr bislang nicht der limitierende Ertragsfaktor war. „Es wird sich auf den Böden in den nächsten Jahren zeigen müssen, ob das Einbringen eines Substrates, das Wasser im Boden verfügbar hält, dazu führt, die Bodenfeuchte langfristig zu verbessern und den Ertrag zu stabilisieren“, resümiert Biolandberater Christian Lutz.
Zum Ende des Feldtages wurde die Vorfruchtwirkung eines dreijährigen Luzerne-Kleegrases begutachtet, das versuchsweise auf drei Teilflächen unterschiedlich genutzt wurde. Die eine Fläche wurde intensiv mit fünf Schnitten schnittgenutzt, eine weitere nur gemulcht und die letzte wurde regelmäßig von Schafen beweidet. Nach dem Umbruch wurde Dinkel ohne zusätzliche Düngung angebaut. Die Teilnehmenden schätzten den Ertrag mittels Zählrahmen und bewerteten die Bestände. Es zeigte sich, dass die schnittgenutzte und die beweidete Fläche ungefähr gleich zu bewerten waren, nur die gemulchte Fläche zeigte ein starkes Ertragsdefizit. Das Ergebnis wurde in der Gruppe intensiv diskutiert. Christian Lutz fasste zusammen: „Das Mulchen fördert stark die Gräser, was dann zu einer verminderten Stickstofffixierung im Kleegras führt. Um es ökonomisch einzuordnen: Das kostete in der Folgekultur rund 700 Euro Ertrag pro Hektar!“
Ertragserfassung im Dinkel durch die Gruppe
Zum Ausklang des Feldtages konnten Besuchende das System Cameleon (Saattechnik) begutachten, mit dem auch der Anbau in weiter Reihe stattgefunden hat.
Gerd Philipp vor der Cameleon-Sämaschine (Bild aus dem Frühjahr)
Abschließend kann festgehalten werden: Kleegras ist stark humusmehrend und durchaus ein Faktor zur Bereitstellung von Stickstoff für die Folgekultur. Ob es immer ökonomisch effektiv genutzt werden kann, hängt sehr von den Gegebenheiten des Betriebes ab. Allerdings ist die Kultur kein Selbstläufer. Der Erfolg hängt stark vom Management ab und zahlt sich erst in den Folgekulturen aus.
