Zum Thema „Humusverluste ein’dämmen‘ – Was kann der Anbau in Dammkultur leisten?“ informierten sich am 11.06.2026 rund 40 Teilnehmende in Werther, Nordrhein-Westfalen, zu den ackerbaulichen Besonderheiten des Dammkultursystems sowie zu möglichen Maßnahmen für Humuserhalt und -aufbau, die auf den bundesweit 150 Projektbetrieben des HumusKlimaNetz umgesetzt werden. Kann das alternative Bodenbearbeitungssystem den Humusgehalt beeinflussen? Dieser und weiteren Fragen widmete sich der Feldtag in Vorträgen und praxisnahen Einblicken. Neben Erfahrungsberichten des Projektbetriebs Dicke-Wentrup sowie anwesender Praktiker:innen konnten auch auf dem Feld anschaulich Eindrücke zur Bodenstruktur gewonnen werden.
Eine Alternative?
Das Dammkultursystem nach Turiel stellt ein alternatives Bodenbearbeitungs-, Saat-, Hack- und Striegelsystem dar. Auch bei Kulturen, die sonst nicht im Damm angebaut werden, wird hierbei mit aufgeschütteten Erddämmen gearbeitet. Neben der reinen Bodenbearbeitung werden so weitere Ziele in diesem Gerät vereint und Möglichkeiten geboten, die Ackerfläche ein wenig mehr zu beeinflussen als mit üblicher Bewirtschaftung. Die Bodenoberfläche wird durch das Aufschütten der Dämme vergrößert und auf den Dämmen steht die Kulturpflanze erhaben gegenüber der Begleitflora.
Nach einer allgemeinen Vorstellung des HumusKlimaNetz durch Lukas Eiligmann-Westhues, Regionalkoordinator, DBV, stellte Hannes Dicke-Wentrup seinen Betrieb vor: Der Landwirt hat 2018 auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt und seit 2023 das Turiel-Dammkultursystem im Einsatz. Im Rahmen des HumusKlimaNetz setzt Dicke-Wentrup einen optimierten Zwischenfruchtanbau um und konnte den Kleegrasanbau weiter intensivieren. Betriebsbegleiter Pascal Gerbaulet, Landwirtschaftskammer NRW, stellte die weiteren humusfördernden Maßnahmen des Projekts vor und verwies auf das wachsende Beratungsangebot und verwendete Prognosemodelle der Landwirtschaftskammer.
Betriebsleiter Hannes Dicke-Wentrup und Regionalkoordinator Lukas Eiligmann-Westhues
Betriebsbegleiter Pascal Gerbaulet stellt u.a. den Aufgaben der Betriebsbegleitung dar.
Auswirkungen des Dammanbaus auf Bodenparameter
Der Bodenkundereferent der Landwirtschaftskammer, Dr. Konrad Egenolf, benannte in seinem Vortrag die Zusammenhänge rund um den Auf- und Abbau von organischer Bodensubstanz und diskutierte Einflussgrößen der Bewirtschaftung. Böden bevorraten entscheidende Mengen Kohlenstoff, welche nach aktuellen Untersuchungen eher schwinden als zunehmen. So tragen die steigenden Temperaturen mitunter zu einer gesteigerten Umsatzrate im Boden und damit höheren Kohlenstoffemissionen aus den Bodenvorräten bei. Die Bedeutung der Bodenstruktur und Kalkung, um mehr Humus zu „binden“, wurde nach Diskussion der „neuen Humustheorie“ unterstrichen. Als weitere Stellgröße wurde auf die Bedeutung der Wurzeln in der Humusreproduktion hingewiesen. Da die Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen zu Humus in Dammkultur gering ist, konnten nur Einzelergebnisse zu Wurzelbiomasse, mikrobieller Aktivität, Bodentemperatur und -feuchte diskutiert werden. Es konnte geschlussfolgert werden, dass sich der Dammanbau im Einzelnen durchaus vom Flachanbau unterscheiden kann. Am eindeutigsten zeigten sich Unterschiede in der Wasserführung, gemessen über den volumetrischen Wassergehalt im Dammtal und auf der Dammkrone verglichen mit dem Flachanbau.
Diskussions- und Fragerunde mit den Feldtagsgästen
Über konkrete Erfahrungen mit dem Dammanbau berichtete David Turiel vom Maschinenhersteller Turiel Dammkultur. Er begann mit einem Abriss über betriebseigene Erfahrungen mit traditionellem Dammkulturanbau in Nord-West-Spanien. Schließlich beschrieb er, wie sich diese auf die Entwicklung des „Turiel Systems“ ausgewirkt haben. Über unterschiedliche Erfahrungsberichte von Kunden stellte er dann den Einfluss der Technik auf den Boden dar. Es wurden Ertragsdaten, Wurzelmassen, Wasserführung und Humusgehalte mit denen herkömmlicher Bodenbearbeitung verglichen. Anschließend erklärte Turiel gemeinsam mit dem Landwirt Dicke-Wentrup die Funktionsweise des Dammgeräts direkt an der Maschine.
David Turiel (kniend an der Maschine) erklärte den Aufbau und mögliche Erweiterungen des Geräts.
Bodenansprache, Feldtests und Fazit
Auf dem Feld wurden die Vorträge um praktische Eindrücke ergänzt: Es wurde eine in Dammkultur bestellte Weizenfläche besichtigt und in Hinblick auf Bodenstruktur und -zustand bewertet. Dazu sprach Dr. Egenolf die Eigenschaften des vorliegenden Pseudogleys zusammen mit der schluffigen Bodentextur an. Im Bodenprofil wurden Wurzel- und Regenwurmgänge sichtbar gemacht.
Hier ist der Dammaufbau im Profil zu sehen, der Winterweizen wurde in Doppelreihe auf die Dammkrone gesät. Die sichtbare Verunkrautung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass im Rahmen eines Naturschutzprogramms ab April auf das Befahren der Fläche verzichtet wurde.
Den Bodenaufbau und weitere sichtbare Strukturen besprach Dr. Konrad Egenolf (im Bodenprofil) mit den Teilnehmenden im Feld.
In einer zweiten Gruppe führte Gerbaulet unterdessen mit den Teilnehmenden praktische Tests zur Beurteilung des Bodengefüges durch. Anschaulich konnte so das hohe Wasseraufnahmevermögen und die gute Durchwurzelung gezeigt werden. Für den Landwirt besticht die Technik durch ihren wenig komplexen Aufbau, was sich unter anderem darin zeigt, dass die Dämme die Funktion eines Lenksystems übernehmen.
Pascal Gerbaulet diskutiert mit den Feldtagsgästen die Struktur des Bodens, …
zeigt mit einfachen Feldtests die Unterschiede …
und erläutert anhand einer Spatenprobe weitere Auffälligkeiten.
