Am 20. Februar 2026 fand in Berlin erstmals der HumusKlimaDialog statt. Das neue Dialogformat greift klima- und agrarpolitisch relevante Themen rund um Humusaufbau und -erhalt in Ackerböden auf und bringt Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Organisationen zusammen. Die Auftaktveranstaltung widmete sich konkret den Potenzialen und Herausforderungen humusfördernder Maßnahmen, die sowohl für Klimaschutz als auch für Klimaanpassung zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Vorstellung des Projektes und Einblicke aus dem Projektalltag
Nach einer kurzen Begrüßung durch Bettina Gramberg (BÖLW) und Jeanette Stresow (DBV), die an diesem Tag durch das Programm führten, starteten die beiden Regionalkoordinatorinnen Hanna Anders (BÖLW) und Lena Guhrke (DBV) mit der Vorstellung des Modell- und Demonstrationsvorhabens. Neben Struktur und Arbeitsweise erhielten die Teilnehmenden einen Überblick zu den verschiedenen Formaten des Wissenstransfers im Projekt: In regelmäßigen HumusClubs tauschen sich die Landwirt*innen vertraulich aus und entwickeln gemeinsam Lösungen. Weitere Formate wie Messen, der jährliche HumusKlimaTag, Online-Fachveranstaltungen und Feldtage tragen die Erkenntnisse in die Praxis.
Welche humusfördernden Maßnahmen werden im HumusKlimaNetz umgesetzt?
Hierauf gingen Hanna Anders und Lena Guhrke im Detail ein und stellten für ausgewählte Maßnahmen wie Zwischenfrüchte, Untersaaten und Durchwachsene Silphie die positiven Aspekte aus pflanzenbaulicher Sicht heraus und gingen auf aktuelle Herausforderungen bei der Umsetzung auf den Betrieben ein.
Begleitforschung: Klimawirkung und Rahmenbedingungen
Vom Thünen-Institut gaben Dr. Lilli Aline Schroeder, Dr. Thomas de Witte und M.Sc. Friedrich Wüstemann eine wissenschaftliche Einordnung der Thematik und zeigten erste Ergebnisse der ökonomischen- und sozioökonomischen Begleitforschung. Die Landwirtschaft verursachte 2023 in Deutschland 215 Millionen Tonnen CO₂ (16 Prozent der Gesamtemissionen). Dr. Thomas de Witte betonte, dass Humusaufbau eine von mehreren Klimaschutzmaßnahmen ist, aber zahlreiche Zusatznutzen bietet: besseren Erosionsschutz, höhere Bodenfruchtbarkeit, bessere Wasserinfiltration und mehr Biodiversität. Entscheidend sei, den europaweit fortschreitenden Abbau von Bodenkohlenstoff zu stoppen.
Friedrich Wüstemann erläuterte die Voraussetzungen für Klimawirksamkeit: Zusätzlichkeit, Dauerhaftigkeit (etwa durch Agrargehölze), keine Verlagerungseffekte sowie Messbarkeit. Das theoretische Potenzial liegt bei bis zu 1,5 t CO₂-Äquivalenten pro Hektar und Jahr. Die Kosten variieren je nach Maßnahme; teurere Maßnahmen versprechen eine teils höhere Humusanreicherung.
Dr. Lilli Aline Schroeder erläuterte die Hauptmotive für die Umsetzung humusmehrender Maßnahmen, u.a. ökonomische Vorteile, verbesserte Bodenfruchtbarkeit und Nährstoffverfügbarkeit. Hemmnisse sind ökonomische Nachteile, fehlende Beratung und technische Hürden. Anhand von Untersaaten und Agrargehölzen zeigte sie konkrete Unterstützungsbedarfe auf.
Angeregter Austausch zwischen Wissenschaft und Gästen während des ersten HumusKlimaDialogs in Berlin
Fazit der Begleitforschung
Bereits die Verhinderung weiteren Humusabbaus ist als Erfolg zu werten. Neben dem Humusaufbau selbst ist vor allem die Klimaanpassung zentral, die durch humusreiche, resilientere Böden erleichtert wird. Humusaufbau bietet einen Mehrfachnutzen für zentrale Bodenfunktionen.
Klimawirksam sind Maßnahmen nur, wenn sie zusätzlich, langfristig umgesetzt, messbar und frei von Verlagerungseffekten sind.
Projektlandwirte berichten aus der Praxis
Die Projektlandwirte Christian Rohlfing und Jürgen Cordes berichteten aus ihren Betrieben. Rohlfing (Mecklenburg-Vorpommern) setzt auf die Maßnahmen „weniger Silomais“, „Untersaaten“ und „mehr Körnermais“ und hob den Austausch in den HumusClubs hervor. Cordes (Niedersachsen) bewirtschaftet in Niedersachsen rund 150 Hektar ökologisch nach Bioland-Richtlinien. Er nutzt Untersaaten und Zwischenfrüchte, um sandige Böden ohne Bewässerung langfristig zu erhalten, und lobte die Beratung sowie den kollegialen Austausch im HumusKlimaNetz.
Nach den Impulsvorträgen nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, mit den Projektpartnern über konkrete Herausforderungen aus der Praxis zu sprechen. Besonders intensiv ging es um die Finanzierung und Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen. Diskutiert wurden unter anderem der Einsatz von CO₂ Zertifikaten, praktikable Sätechniken für Untersaaten sowie Fragen zur Qualität und Verfügbarkeit von Kompost. Auch über die Möglichkeit, wie sich eine verbesserte Wasserhaltefähigkeit durch humusaufbauende Maßnahmen in den Kostenstrukturen widergespiegelt werden kann, gab es Austausch.
Zwei HumusKlimaNetz-Landwirte berichteten aus der Praxis
Betriebsbegleitung lobt hohe Motivation der Landwirte
Betriebsbegleiterin Marlene Gerken (BAT Agrar) betonte die hohe Motivation der Betriebe. Angesichts zunehmender Trockenheit und Hitze müssten Betriebsabläufe angepasst werden. Humusaufbau erhöhe die Wasserhaltefähigkeit und stärke die Resilienz – auch wenn Standortfaktoren wie Wasserverfügbarkeit dennoch eine zentrale Herausforderung bleiben.
Die Veranstaltungsreihe wird künftig weitere klima- und agrarpolitisch relevante Themen aufgreifen, um den Wissenstransfer zu stärken und politische Entscheidungsprozesse mit praxisnahen Erkenntnissen zu unterstützen.
